Der Schneetraumbaum

Der Baum hat sich fest verschlossen. Die Rinde ist etwas dicker geworden und lässt nichts von der Kälte hinein. Der Schnee ist des Baumes Freund, denn er schützt zusätzlich vor der Kälte, wenn er sanft und leicht auf die Äste fällt. Wenn Frau Holle gut gelaunt und voller Elan ist, dann schüttelt sie länger als sonst ihre Betten aus, und es schneit und schneit. Der Baum schaut besorgt in den Himmel und fragt sich, wann es wieder aufhört zu schneien. Denn die Schneelast wird immer größer und irgendwann können die Äste den Schnee nicht mehr ertragen und brechen unter seiner Last ab.

Bild eines verschneiten BaumesDas wäre sehr schlimm, denn der Baum schützt sich nicht nur vor Kälte, sondern schützt auch die Träume der Elfen und Kobolde, die tief unten in den Wurzeln sich in ihren kleinen Höhlen eingekuschelt haben und schlafend auf den Frühling warten. Sie zu wecken, wäre nicht gut, denn im Winter finden sie sich nicht nach Hause, der tiefe Schnee nimmt ihnen die Sicht und verdeckt die Wegmarkierungen. Den Elfen frieren die zarten Flügel ein und sie können nicht fliegen.

Und wenn es denn doch einmal passiert, dass dem Baum die Äste brechen, die Kälte hineinfährt und Kobolde und Elfen vertreibt, dann suchen sie die warmen Häuser der Menschen auf. Sie sind friedlich und tun euch nichts, solange man sie in Ruhe lässt. Denn manchmal passiert es, dass man ihrer gewahr wird. Sie legen den Finger an den Mund und wollen dir sagen, sei still und vergiss, was du eben gesehen hast.

Also wenn es richtig Winter ist und viel Schnee liegt, und ihr seid abends im Bett noch wach und hört etwas rascheln, könnte sich eines dieser kleinen Geschöpfe in euer Zimmer verirrt haben. Ihr solltet also im Bett bleiben und versuchen zu schlafen. Wenn ihr im dunklen Zimmer aufsteht, kann es passieren, dass ihr diesen zarten Geschöpfen aus Versehen etwas antut. Dann könnte es sein, dass ihr sie in euren Träumen weinen hört.

© PM 01/2002